Wellendichtring am Getriebe wechseln, 16 Jun. 2012 20:10 |
In
diesem Threadhatte ich euch an der Demontage des Primärantriebs teilhaben lassen und
in jenemhatte ich die widerspenstige Puley-Mutter besiegt. In der nächsten Runde geht es nun um den Austausch des sabbernden Wellendichtrings an der Getriebehauptwelle.
Das Bild zeigt den sabbernden Ring mit eingebautem Distanzring, auf dem die Dichtlippe läuft.
Ich entfernte den Distanzring und hebelte den Dichtring mit einem Winkelschraubenzieher heraus (Eine Beschädigung des Kugellagers ist dabei wegen der geringen Kräfte und dem geschützt liegenden Lagerkäfig nicht zu befürchten).
Hinter dem entfernten Dichtring sitzt direkt am Innenring des Hauptlagers der sogenannte "Quadring", ein O-Ring mit rechteckigem Querschnitt, der die Distanzhülse zur Welle hin abdichtet. Das Ding kann man leicht übersehen oder vergessen. Dann sabbert das Getriebe, und man weiß nicht warum...
Jetzt musste der neue Simmerring hinein. Aber wie?
So ein Simmerring muss jahrelang hart arbeiten und ist dabei ein arges Sensibelchen. Presst man ihn etwas schief ein oder verbiegt ihn beim Hineintreiben nur minimal, ist er in kürzester Zeit wieder undicht. Man muss ihn also bein Einpressen flächig belasten und genau vertikal zur Welle bündig ins Gehäuse pressen.
Der Mechaniker beim Freundlichen hat dafür ein piekfeines Spezialwerkzeug. Du und ich haben das nicht
Was also tun?
Das Pulley hat eine ebene Rückseite, wird recht sauber auf der Kerbverzahnung der Welle geführt und lässt sich bei entferntem Distanzring bündig ans Getriebegehäuse schieben. Wenn dieser Kragen bzw. Rücksprung nicht wäre (siehe Bild), könnte man den Dichtring mit dem Pulley ins Gehäuse drücken.
Also musste ich den Rücksprung irgendwie auffüllen. Ich habe leider - wie die meisten Garagenschrauber - keine Drehbank für eine saubere Aluscheibe.

Aber ich bin stolzer Besitzer einer Laubsäge!
Hier zum Test nochmal den Dichtring aufgelegt. Er liegt vollflächig an der Einpressscheibe an
Also wurde der neue Dichtring angeschnäbelt...
...dann das Pulley mit Druckscheibe aufgeschoben und die Zentriermutter der Spezialnuss angebracht
Den Rest erledigen die auf die Zentriermutter geschobene Nuss und ein Plastikhammer
und der Dichtring war drin

Leider habe ich vergessen ein Photo zu machen
Jetzt kam der neue Quadring auf die Welle, dann der neue Distanzring (der alte hatte eine Einlaufrille), dann das Pulley und die Mutter.
Ich wollte ja Loctite "blau" statt "rot" verwenden. Die neue Mutter ließ mir aber keine Wahl, da das Loctite rot bei der neuen Mutter bereits mikroverkapselt auf die Gewindegänge aufgetragen ist. Das Mikroverkapseln ist heute Industriestandard, weil das bei der Erstmontage in der Fabrik Fehlermöglichkeiten ausschließt und Zeit spart. Das Loctite ist in mikroskopisch kleinen Bläschen eingeschlossen. Erst beim Anziehen der Mutter platzen die Bläschen und das Loctite wird frei.
Also Mutter mit Linksgewinde drauf, mit 80Nm plus Drehwinkel angezogen und mit Blech gesichert, fertig. Blockiert wurde die Welle über Pulley, Riemen und Hinterradbremse. Diesmal stand Geli auf dem Bremspedal
Im nächsten Schritt wurde der Primärantrieb montiert, worin ich ja inzwischen Übung habe und was ihr ja schon kennt.
Schön, dass ich meine Dyna rechtzeitig zum sonnigen Wochenendwetter wieder stubenrein und am Laufen habe
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Gruß
Karl