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Geschrieben von Karl H. am 23.05.2026 um 15:26:

Schon lange interessiert mich die genaue Funktion der Harley-Tankuhr. Die zuweilen recht geringe Lebensdauer dieses teuren Instrumentes lässt die Frage nach Reparaturmöglichkeiten aufkommen.

Ich bin dem lieben Andrè (Bodobiker) sehr dankbar, dass er mir (und damit dem Forum) seine alte, aber voll funktionsfähige Tankuhr als Forschungsobjekt im Dienste der Wissenschaft zur Verfügung gestellt hat. Am 8.8., meinem Geburtstag, kam das Päckchen an.

Hier sieht man die Uhr von vorne, hinten und von der Seite. Der seitliche Aufdruck lässt auf das Herstellungsjahr 2003 schließen.



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Wie sich nach einigem Drehen und Wenden heraustellen sollte, kann die Tankuhr nur durch Aufweiten der Bördelung der Chromfront zerlegt werden. Die Art der Bördelung lässt wenig Hoffnung, dass man das nach dem Zusammenbau wieder ordentlich und dicht hinbekommt:



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Hier ist der schwarze Kunststoffring (rechts im Bild) bereits aus der geweiteten Bördelung gehebelt.



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Von vorne sieht das Ganze nach Abnehmen der Front so aus:



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Nach Abnehmen der aufgesetzten, schwarzen Lünette so:



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Zum Ausbau des Werkes aus dem Gehäuse müssen die beiden hinteren Schrauben entfernt werden:



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Jetzt lässt sich das Werk herausziehen:



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Vor einer weiteren Demontage mache ich noch einen Funktionstest und interessiere mich dabei vor allem für die Zeigerdämpfung. Ich habe die Uhr an 12V angeschlossen und die gelbe Tankgeberleitung auf Masse gelegt (Tank voll!). Der Zeiger bewegt sich nur langsam. Zwischen den beiden folgenden Bildern liegen 5 Sekunden:





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Rückwärts geht es genau so langsam!

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Die weitere Zerlegung der Tankuhr sollte selbsterklärend sein:



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Im nächsten Bild sieht man, dass das Innere der Uhr schon Wasser gesehen hat:



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Die Schrauben kontaktieren mit ihren Stiftspitzen das Zeigerinstrument:



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Zwei LEDs 1 und 2 mit Vorwiderstand R1 beleuchten das Instrument. Die Diode D1 ist ein Verpolungsschutz. Der Stift unten bildet die Masseverbindung zum (hier bereits abgezogenen) Zeigerinstrument:



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Hier das Zeigerinstrument nach Entfernen der Skala:



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Hier angekommen, stellt man fest, dass sowohl die Rückhohlfeder des Zeigerwerks als auch dessen defektanfällige Dämpfung im Inneren des Wicklungskörpers (rechts)unzugänglich und praktisch unreparierbar versteckt sind.



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Als weiteres Zwischenergebnis kann man nach einigem Messen das Schaltbild dieser Tankanzeige vervollständigen. Unter Vernachlässigung der beiden Beleuchtungs-LEDs und unter Einbeziehung des Tankgebers sieht das so aus:

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Mit diesem Schaltbild lässt sich auch eine kleine Ersatzschaltung stricken, falls man z. B. ein Custombike ohne Tankanzeige machen will und die Funktion der elektronischen Reichweitenanzeige erhalten will. Das einfache Weglassen der Tankuhr funktioniert nicht.

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Ich will noch rausfinden, wie das Innere des Spulenkörpers mit Rückhohlfeder und Dämpfung aussieht.

Und weiter geht‘s!

Jetzt muss das "Herz" der Tankuhr seine Geheimnisse preisgeben.

- wie funktioniert die Zeigerdämpfung?

- wie wird der Zeiger in die Nullstellung zurückgeholt?

- wie sieht der "Anker" des Zeigerwerks aus?

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Die Spulen des Zeigerwerks haben Kupferlackdraht mit 0,08mm Nenndurchmesser. Bei 3,5 Ohm pro Meter heißt das, dass jede Spule 100m Drahtlänge hat. Bitte verzeiht mir, dass ich diese Drahtmenge nicht Windung für Windung abgewickelt, sondern den Seitenschneider benutzt habe.

Das Ergebnis sieht so aus:



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Wie das Gehäuse geteilt und zu öffnen ist, erschließt sich sofort. Meine Annahme, dass da dämpfendes Silikonöl durch eine Dichtung am rauslaufen gehindert werden muss, erweist sich als Irrtum (Der Zeiger war vor dem Trennen natürlich abgezogen):



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Der Zeiger wird durch einen kreisrunden Anker bewegt. Das geht nur, wenn er magnetisch ist. Ist er tatsächlich! Die Dämpfung erfolgt durch Silikonfett im Spalt zwischen Ankerunterseite und Gehäuse:



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Aber wo bitte ist die Rückholfeder?

Das Geheimnis ist ein kleiner Rückholmagnet im Gehäuse!

Er ist von außen eingesetzt:



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und auch von innen zu sehen:



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ganz schön winzig:



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Und wo ist der Zeigeranschlag?

Der wird durch die Skala realisiert:



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Ganz schön clever die Japaner (ist ja "made in Japan").

Abschließende Frage: Was kann da eigentlich kaputt gehen? Aus meiner Sicht ist das Silikonfett der Schwachpunkt im System. Wenn das verhärtet oder bei horizontaler Achsenlage (Tourer) durch Schwerkraft wegläuft, ist Feierabend. Schade, dass man da nicht zum Reparieren dran kommt.

Hoffnungsschimmer: Das Zeigerwerk ist sicher nicht speziell für Harley gemacht und wird wohl in Massen hergestellt. In welcher billigen Tankuhr ist es sonst noch verbaut? Applaus für den, der das rausfindet!

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Gruß

Karl