Hallo Uli,
einverstanden, was die Thematik der ausreichenden Dimensionierung des Kugellagers betrifft.
Dennoch: 2 aus unterschiedlichen Winkeln unter (stark) wechselnden Lastfällen angreifende Radialkräfte zehren an der Widerstandskraft der stärksten Axial-Lager.
Der Lastfall ist hauptsächlich axial orientiert...
Wenn ich mich richtig erinnere ans Sommerjossa, hast Du eine Bodenseegeräte-Werk-Vergangenheit. Kennst Du noch die alte Litton LN3 INS-Plattform im Starfighter? (Rest der Gemeinde weghören, out of topic!) Montiert im Litton-Werk in Freiburg.
Hast Du Dir mal die Dimensionierung und die Qualität der Lager der kardanischen Einheiten dieser Plattform angesehen?
Im Vergleich zur winzigen Dimension der darin gelagerten Achsen?
Lager mit dieser Qualität wären in der entsprechenden Dimension für unsere Nockenwellen sogar bei unseren Edelbikes unbezahlbar, daher würde ich nach wie vor eher der Timken-Lösung vertrauen, vielleicht etwas over-engineered, aber besser als under-performed!
Was den kompletten Entfall von Lagern im sogenannten "parent-material", also im Gehäusematerial betrifft, so habe ich eine andere Meinung, obwohl ich Deine Beispiele nachvollziehen kann:
Einzige Garantie für die verschleissarme Funktion dieser Art Lagerung ist stetig vorhandener Schmierfilm ohne auch nur die kleinsten Unterbrechungen. (wie Du weißt, reden wir von Mü)
Dies ist nur 100% gewährleistet bei:
1) wie von Dir richtig angeführt, sauberem Warmfahren bis auf Betriebstemperatur
2) Verwendung von hochwertigem Öl der richtigen Viskosität (remember: einmal den Konvoi am Faaker See mitgefahren bzw. stop und go, zwingt unter sommerlichen Aussentemperaturen auch das beste Öl ganz schön in die Knie!)
3) regelmäßigem Ölwechsel innerhalb der vorgeschriebenen Perioden
4) möglichst gleichmässigem Tragbild der rotierenden und statischen Teile untereinander, welche Toleranzen pflegt die MoCo hier ???, ganz sicher wird hier nicht gepaart oder eingeschliffen...
5)was passiert mit dem Ölfilm bei längerem Stand auf dem Seitenständer und was passiert anschließend bei Wiederanlauf des Agregats in den ersten Sekundenbruchteilen? -> wieviele member hat das TC-Forum, die gerade mal 2-4.000 km/Jahr fahren, ergo entsprechend lange Standzeiten (auf Seitenständer?)
Bei meiner CB500 four (Gott, was für ein hübsches Moped das war!) war die OHC- Nockenwelle ebenso im Guß gelagert. Ich weiss nicht, ob ich noch alte Photos dieser Lagerstellen anläßlich meiner damaligen Generalüberholung habe, aber 25 sec von Fuß bis Kopf forderten im Kaltlauf definitiv ihren Tribut an Material.
Vielleicht sind meine Erwartungen etwas am worst-case orientiert, aber erstens ist dies mein Beruf (Qualitätssicherung Luftfahrt) und zweitens erwarte ich für so einen Scheixxhaufen Kohle simply the best!
Herzliche Grüsse, Ralph