Eigentlich weiß doch jeder , woran das heutzutage liegt. Bei der Inthronisierung von Müller heute hat der Aufsichtsrat ja gesagt, dass die VW-Unternehmenskultur sich grundlegend ändern muss, die er ja bisher offensichtlich ganz toll fand: Das ist die seit den 80 ern (" Reagonomics") aus den USA zu uns rübergeschwappte und von der deutschen Wirtschaft , wie immer, ergebenst nachgeäffte Kultur des Neoliberalismus , die mit beschönigenden bis verharmlosenden Anglizismen die nackte Gier über das Berufsethos stellt. Ach wie fern sind die Zeiten des Kaiserreichs, als noch die Kultur des " ehrbaren Kaufmanns" galt, der sich erschoss, wenn er bankrott gegangen war. Heute kriegt man vom scheinheiligen Aufsichtsrat einen Vertrag, der einem 29 Mio Prämie sichert, wenn man ein Schlüsselunternehmen in existentielle Bedrängnis bringt. Einfach nur widerlich. Insofern hat Winterkorn doch alles richtig gemacht? Und ausgerechnet diejenigen , die diese (Un) Kultur über die Welt gebracht haben, stellen jetzt einen ihrer treuen Adepten an den Pranger. Für Mitarbeiter bedeutet diese " Kultur" ja bekanntermaßen, die Quartalszahlen sind das Evangelium, jeder, der wegen der Methoden, diese unter allen Umständen zu schönen, Bedenken hat, ist nicht ehrgeizig und leistungsorientiert genug, jeder hat als Ich-AG gefälligst sich selbst der Nächste zu sein, man darf sich halt nicht erwischen lassen usw. Und jetzt ist der Mainstream , der uns alles dies jahrelang gepredigt hat, ja allen Ernstes ach so entsetzt, welche Folgen das zwangsläufig früher oder später hat. Tja, wer sich mit dem Teufel einlässt, ... Muss am Ende halt in die Hölle. Erfolg um jeden Preis verträgt sich halt nicht mit Moral. Das Entsetzen darüber ist pure Heuchelei. Da wird uns altbekannte Amoralität als Tugend verkauft, die Vetternwirtschaft wird einem als Networking ans Herz gelegt, das Auswahlverfahren für Offiziersanwärter des dritten Reiches ist plötzlich das hochmoderne Assessment Center, Das Rauswerfen von Belegschaften und Lohndumpimg wird mit " Outsourcing" beschönigt. Berufethos ist was für ewig gestrige, es gibt unendlich viele Beispiele. Im Roman "1984 " wurden solche Begrifflichkeiten als ' Zwiedenken" bezeichnet. Bin gespannt, wann Ursula von der Leyen dem Roman entsprechend das " Ministerium für Liebe" leitet. Was für ein Skandal, Wenn dann irgendwann herauskommt, dass die Belegschaft da beigebracht kriegt, wie man Leute erschiesst ! So kommt mir auch der jetzige Hype um die VW-Abgassoftware wie die Entrüstung der Scheinheiligen vor. Die VW-Unternehmenskultur ist nichts anderes als das getreuliche Abbild der Gesellschaftskultut, die uns vom Mainstream seit 30 Jahren gepredigt wird.
Dieser Beitrag wurde schon 7 mal editiert, zum letzten mal von niterider am 26.09.2015 08:27.