AFR Tabelle
Das ist die zweite wichtige Tabelle. AFR steht für
Air Fuel Ratio, dass Verhältniss zwischen Luft und Benzin.
AFR 14 bedeutet, dass Luft und Benzin im Verhältniss 14:1 stehen. Also 14 Mal mehr Luft als Benzin. Dadurch ergibt sich ein explosives Gemisch. In der AFR Tabelle bestimmen wir, welches Luftgemisch wir bei welcher Drehzahl gerne im Zylinder hätten. Entweder Fett oder Mager.
Also das
gewünschte Mischungsverhältniss zwischen Luft und Benzin. Diese Tabelle gibt es (im Gegensatz zur VE Tabelle) nur einmal, da diese Einstellung für den ganzen Motor gilt.
Ideal für die Verbrennung ist das sogenannte
stöchiometrische Verhältniss. Das ist eine AFR von 14,6. Das ist auch der Zielwert aller Umweltschützer, da bei dieser AFR die Verbrennung so vollkommen ist, das nur minimal wenig Abgase erzeugt werden.
Der Nachteil ist, dass bei diesem Wert auch der Motor sehr heiss läuft und nicht die Maximale Leistung abgibt.
Das
maximale Drehmoment entwickelt der Motor bei AFR 13,2. Wenn man die ganze AFR Map darauf (oder auch noch tiefer) einstellt, kommt es natürlich zu höheren Verbräuchen. Die richtige Abstimmung ist der Witz.
Deshalb ist eine gute AFR Tabelle immer eine Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse. Am Besten
sparsam im Teillastbetrieb, (CL)
kraftvoll beim Aufreissen des Gasgriffs (OL).
Hier mal ein Beispiel wie eine optimierte AFR Tabellen aussieht.
Links die Drehzahl, oben der
Unterdruck im Manifold (MAP). Je grösser der Wert, desto höher belastet ist der Motor. Im Leerlauf liegt der Map Wert bei 40kPa, im Schiebebetrieb bei 20kPa. Dort wo 14,6 in der Tabelle steht, geschieht die Steuerung des Motors über die Lambdasonden (Closed Loop), bei anderen Werten werden die Lambdasensoren abgeschaltet (Open Loop). Dann wird wird die Benzinmenge ausschliesslich aus der VE- und der AFR-Tabelle berechnet.
Um so wichtiger ist es also, dass die VE Tabelle passt.

Wie kommt man an eine
angepasste VE Tabelle?
Man muss den aktuellen Motor genauso
ausmessen, wie es das Werk damals gemacht hat. Dafür braucht man Lambdasonden die messen, wie gut die Verbrennung bei gegebener Drehzahl ist.
Die Lambasonden erzeugen eine Spannung aus der man ableiten kann, wie hoch der aktuelle AFR Wert des Gemischs ist.
Es gibt zwei unterschiedliche Typen von Lambdasensoren. Die sogenannten Wideband Sensoren und die Smallband (oder auch Switching) Sensoren, wie sie standardmässig in den neueren Harleys verbaut sind. (Daher: geeigneter Prüfmethoden unerlässlich)
Die erste Option ist ein Tuning mit
Wideband Lambdasensoren.
Die haben den Vorteil, dass sie alle AFR Werte von 8,0 bis 20,0 kontinuierlich durchmessen können. Um so eine Messung durchführen zu können, braucht man natürlich spezielle Hardware. Zum Beispiel das
Autotune Kit von Dynojet. Man installiert die Lambdasensoren, schliesst das Autotune Kit an und
macht Messfahrten in möglichst verschiedenen Drehzahlbereichen.
Die gemessenen AFR Werte werden dann mit den vorgegebenen Werten in der AFR Tabelle verglichen. Wenn der gemessene AFR Wert und der theoretische Wert übereinstimmen, dann stimmt auch die angegebene Luftmenge in der VE-Tabelle.
Misst die Lambdasonde einen höheren AFR Wert, dann ist das tatsächliche Gemisch zu dünn = zu mager = Motor wird zu heiß. Es ist also mehr Luft im Zylinder als vermutet. Man muss also das entsprechende Feld in der VE Tabelle raufsetzen.
Wird umgekehrt ein niedrigerer AFR Wert gemessen, muss der Tabelleneintrag nach unten korrigiert werden. Diese Berechnungen werden üblicherweise mit einer speziellen Software durchgeführt, sind aber relativ simpel.
Bei den Harley's, die keine werksseitig eingebauten Lambasonden haben, ist die Messung mit Wideband Sensoren die einzige Möglichkeit, zu einer passenden VE Tabelle zu kommen.
Wer schon die normalen
Switching Lambdas am Bike hat, wie sie von Harley serienmässig verbaut werden, der kann auch damit eine Messung durchführen. Diese Sensoren haben die Eigenart, dass sie nur angeben, ob das Gemisch gleich, über oder unter AFR 14,6 ist (stöchiometrisches Gleichgewicht).
Sie haben also eine schaltende Charakteristik, daher der Name.
Um damit eine Messung durchzuführen, wird für die Zeit der Messung jedes Feld der AFR Tabelle auf 14,6 gestellt. Dann fährt man mit dieser Einstellung in allen Drehzahlbereichen. Die Mechanik der Lambdasonden versucht nun, durch Gemischanreicherung/Abreicherung den gewünschten AFR von 14,6 herzustellen. Wenn man den Betrag sieht, um welchen die Lambdas korrigieren mussten, kann man aus diesen Werten auch wieder den korrekten Eintrag in der VE-Tabelle berechnen. Denn nur bei diesem müssten die Lambdasensoren überhaupt nix korrigieren.
Dieses Messverfahren für Smallband Lambdas gibt es auch beim TTS und beim SERT. Der Vorteil beim PowerVision ist, dass das kleine Display alle Einstellungen und Berechnungen intern durchführt. Es ist also kein extra PC-Programm notwendig, um die aufgezeichneten Werte zu berechnen und auf dem heimischen Computer daraus eine neue VE Tabelle zu berechnen.
Die Ermittlung einer neuen VE-Tabelle wird übrigens jedesmal aufs Neue fällig, wenn man einen neuen Lufi einbaut oder den Auspuff ändert. Bei
verstellbaren Auspuffanlagen wird natürlich mit offener Klappe gemessen. (Geschlossen ändert sich wieder alles)
Die korrekte Ermittlung der VE-Tabelle ist eben nur die eine Hälfte des Tuning Vorgangs. Wenn man endlich die passende VE Table für sein Bike hat muss man dem System auch noch sagen, wie man die AFR Tabelle eingestellt haben will.
Zudem gibt es Abhängig vom Baujahr auch noch weitere Tabellen. Zum Beispiel für die Zündvorverstellung. Das lassen wir erst mal weg.....
Zum Gasdrehgriff:
Davon ausgehend, dass man das Tuning auf der Strasse macht, bei verschiedenen Drehzahlen und Gasgriffpositionen und die so lange fährt, bis genügend Messpunkte vorhanden sind. Genau das kann auf öffentlichen Strassen recht schwierig werden.
Besser wäre man könnte alle Fahrzustände auf einem gebremsten Rollenprüfstand abfahren. Am Besten ist die Mischung aus beidem. Auf dem Prüfstand optimieren und auf der Strasse überprüfen, messen und glätten = mittels Messungen optimieren.
Meist beschränken sich die bekannten Prüfstandangebote auf eine Vollgasfahrt vor dem Tuning und eine Vollgasfahrt nach dem Tuning, was aber nicht sonderlich aussagekräftig für den täglichen Betrieb im Teillastbereich ist, schon gar nicht im CL Bereich u. ggf. im bestimmten Bereich mit Lambda Steuerung..... Dafür müsste man mehr und umfangreicher testen. Also entweder man bezahlt viel Geld, oder man verwendet genügend Zeit darauf, auf der Strasse Bergauf- und Bergab zu fahren, um möglichst viele Zellen der VE-Tabelle zu erfassen.
Also alles fängt mit dem elektronischen Gasdrehgriff an, Harley's ETC =
Electronic Throttle Control
Und damit zurück zum Thema:
Der Gas Drehgriff ist eben nicht mehr mechanisch, sondern voll elektronisch vernetzt! Da wird es für die ältere Generation eben schon schwieriger an dem zu basteln.
Daher meine Ausführungen, was alles dahinter steckt und über den eben nicht mehr simplen Gasdrehgriff alles gesteuert wird bzw. gesteuert werden kann und Einfluß auf den ganzen Motor hat.