Liebe Twincam-Ferndiagnose-Spezialisten, schaut doch bitte einmal in eure Glaskugel...
Seit ich meine Roadking 2012 (original, ohne Stage I) von der 64000er Inspektion zurückbekommen habe, schlage ich mich mit diversen Problemen herum (bis dahin lief sie perfekt). Bei dieser Inspektion ging es etwas ans Eingemachte (ich habe davon berichtet) : die Nockenwellensteuerkettenspanner wurden ausgetauscht und auch eine Nockenwelle mit Liftern. Zum Austausch der Nockenwelle wurden, wie ich vermute, die Auspuffkrümmer ausgebaut (inklusive Lambda-Sonden...). Auch der Luftfilter und die Zündkerzen wurden erneuert.
Gleich auf meiner ersten Fahrt stellte sich heraus: irgendwie läuft sie nicht wie vorher. Leichte Aussetzer (nicht immer, aber manchmal, eher selten) bei seehr gleichmässiger Fahrt, mit Gasstellung bei fast Null, gaaanz knapp über Standgas (besonders bei etwa 50 km/h im dritten Gang, 70 km/h im vierten und 90 km/ im fünften). Bleibe ich dann genau in dieser Gasstellung verstärken sich die Aussetzer soweit, dass die Geschwindigkeit des Fahrzeugs abnimmt. Gebe ich dann wieder etwas Gas, ist der Spuk mit einem Ruck vorbei. Beim Gaswegnehmen gibt es zuweilen ein leichtes Knallen. In allen anderen Lastzuständen ist alles normal. DIE MOTORKONTROLLEUCHTE GEHT NICHT AN.
Mein erster Gedanke: eine der neuen Kerzen könnte einen Defekt haben oder ein Kerzenstecker wurde nicht richtig aufgesteckt. Deshalb wollte ich mir gleich einmal das Kerzenbild anschauen. Da kam der nächste Schreck: beim Herausdrehen der Kerze fiel mir gleich auf: das Kerzengewinde des hinteren Zylinders war hin (obere Hälfte des Gewindegangs). Das hätte der Mechaniker beim Einschrauben merken müssen, dachte ich mir... Andererseits glaubte ich, damit auch den Grund für die Aussetzer gefunden zu haben: vielleicht kam ja etwas Luft durch den zerstörten Gewindegang. Deshalb gleich zurück zum Händler, zu einer Kerzengewinde-Reparatur. Waren die Aussetzer damit aus der Welt? Nein. Einen Tag lang glaubte ich daran, dann ging es aber wieder los.
Also wieder zurück zum Freundlichen. Am Tor des Betriebsgeländes stand jedoch leider: "Betriebsferien". Was tun? Erst einmal neue Kerzen kaufen, in einer guten, freien Harley-Werkstatt. Eingebaut: kein Unterschied. Der freie Harley-Händler nahm sich dann freundlichst meines Problems an. Erst einmal Fehler auslesen. Sowohl im Tacho als auch auf dem Prüfgerät erschien: P0152* und P0154** [*P0152 : "Rear 02 sensor high (rich)" ; **P0154 : "Rear 02 sensor open/not responding"]. Fehler gelöscht, Probefahrt, keine Fehlermeldung mehr. Der Mechaniker meinte, diese Fehler hätten bei der Inspektion ausgelöst werden können, wenn zum Beispiel das Fahrzeug mit irgendeinem gezogenen Stecker angelassen worden wäre. Er glaubte zunächst also nicht, dass diese Codes etwas mit meinem Problem zu tun hätten.
Der erste Tip des Harley-Schraubers war: eine Undichtigkeit im Ansaugtrakt. Mit Bremsenreiniger/Startpilot abgesprüht - und siehe da: die Drehzahl ging hoch. "Fehler gefunden", dachten wir. Also Termin gemacht für den Einbau von neuen Dichtungen für den Ansaugstutzen und dabei noch etwas gequatscht und Kaffee getrunken, den Prüfstand besichtigt...
Ja und dann dachte ich mir irgendwann: wenn du schon mal hier bist und der ganze Ansaugtrakt sowieso herunter muss... kannste ja auch gleich Nägel mit Köpfen machen und dein Bike ein wenig aufrüsten mit:
- Arlen Ness Stage-I-Luftfilter
- Vance&Hines Twinslash Round Endschalldämpfer auf die schon vorhandenen Power Duals
- Neues Mapping (Directlink/Flashtuner) und Abstimmung auf dem Prüfstand.
Das alles (inklusive der Abdichtung des Ansaugtrakts: neue Dichtungen) wurde also durchgezogen und hätte eigentlich mein Problem aus der Welt schaffen müssen. Aber nein. Hin und wieder kamen sie wieder, meine Aussetzer, genau unter den gleichen Bedingungen und in der gleichen Form wie zuvor. Nicht oft, vielleicht alle 50 km ein Mal. Eigentlich also nichts Schlimmes, wenn es nicht ein Zeichen dafür wäre, dass irgendwo etwas faul ist. Hinweis nebenbei: bei meiner Roadking handelt es sich um ein Fahrzeugmodell mit Ride-by-Wire, also ohne IAC (Intake-Air-Control) - das habe ich hier im Forum gelernt (die Geschichte mit dem Besen - Karl, du erinnerst dich?). An einer Verschmutzung dieses Sensors kann es also nicht liegen.
Heute also noch einmal zurück zu meinem Schrauber, zum erneuten Fehlerauslesen. Und siehe da: da waren sie wieder, die Codes P0152 und P0154. Ich hatte vorher schon einmal in den hier veröffentlichten Fehlercode-Listen gesucht, konnte aber gerade diese Fehler nicht finden. Habt ihr die Legenden dazu***? [***Nach der Antwort KWs (siehe unten) habe ich die Fehlercodes richtiggestellt und die Legende hinzugefügt]
Mein Schrauber meinte nun : es könnte sich um einen kleinen, zeitweilig auftretenden Fehler an der Lambda-Sonde des hinteren Zylinders (oder deren Verkabelung) handeln. Mir scheint diese Hypothese schon deshalb plausibel, weil es sich um eine Einheit handelt, welche vermutlich beim Austausch der Nockenwelle durch die Hände eines Mechanikers gegangen ist und die Aussetzer eben gerade seit diesem Werkstattaufenthalt aufgetreten sind.
Leider hatte mein Schrauber keine passende Lambda-Sonde zur Überprüfung zur Hand, kann mir aber schnell eine bestellen. WAS MEINT IHR? Wäre für euch ein selten auftretender Wackelkontakt an der Lambda-Sonde plausibel? Dann bestelle ich schnellstens eine neue. Ansonsten bin ich erst einmal mit meinem Latein am Ende.
Und übrigens habe ich mir heute auf der Rückfahrt von meinem Schrauber einen Nagel in den Hinterreifen gefahren...
Gruss,
Uwe.