Wie osmane sagt: die Zeiten ändern sich, und die Leute mit ihr.
Zur Zeit meiner Moppedsozialisation in den 70ern und eigentlich noch 1990 bei meiner ersten Harley galten nur Jacken als cool, die mindestens 50000 km drauf hatten. Wer mit was neuem ankam,wurde belächelt, weil
- entweder gerade den Führerschein gemacht
- oder abgestiegen
Heutzutage ist es gesellschaftlicher Druck, mit allem zu zeigen, daß man erfolgreich ist und viel Kohle hat, um seine Bedeutung zu steigern. Ich empfehle dazu das Buch "Wir sind nicht Papst".
Auch die Fahrzeuge müssen deswegen oft erneuert werden. Während früher z.B. Harleys erst etwas verwatzt cool aussahen, macht man heute nur mit dem neuesten Modell den großen Auftritt. Die Shovelhead ist höchstens akzeptabel, wenn sie frisch restauriert ist. Ansonsten wird man angeguckt wie ein Hartz IV-Empfänger, dessen Mopped unter der Freigrenze liegt.
Das machen Harley-Klamotten keine Ausnahme. Genauso gibt es Ducati- und Triumph und BMW-Klamotten. Da machen die Markenhersteller doch längst ein fettes Zusatzgeschäft draus. Auch bei Kuttenträgern glänzen die Kutten oft verdächtig neu. Früher mußte eine Kutte abgewetzt ausehen, um zu zeigen, daß man schon lange dabei ist (s.o.). Heute sieht man das bei großen Clubs nur noch vereinzelt. Die Klamotten müssen halt auch zeigen, daß man nicht auf Hartz IV ist (vielleicht, weil die heute auch schon relativ gute Klamotten haben). Da muß ein Abstand geschaffen werden. Dieser Druck ist oft genug existenzgefährdend. Beispiel: Beim letzten open house beim Freundlichen habe ich ne Verkäuferin von der Metro gesehen, die sone superteure Harley-Jacke anhatte.
Letztendlich kann sich keiner (auch ich nicht) dem Zeitgeist entziehen. Die einzige Möglichkeit besteht darin, selbst an der Geburt eines neuen Zeitgeistes mitzuwirken. Das sind bei Moppeds aber heute eher Schmieden wie die Wrench Monkeys in Dänemark oder Blitzkrieg in Paris. Auch in der Caferacer Szene (Ace Cafe, Glemseck) und bei den BMW-Zweiventilern vermag ich erste Ansätze zu sehen. Das Problem dabei haben immer die, die wie ich keine begnadeten Schrauber sind. Die müssen halt zu den Serienprodukten greifen. Bei Klamotten ist´s da noch etwas einfacher. Man kann die Lederjacke ja trotzdem 50000 km einfahren.
Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von niterider am 11.10.2011 21:05.