Endlich bin ich mit der etwas freieren Übersetzung des Textes von wolf_t fertig:
"Liebe Motorradverkäufer,
ich bin auf der Suche nach einem Gebrauchtmotorrad und habe Eure Anzeigen in „Craigslist“, „Ebay“ und „Cycletrader“ gelesen. Ich bin über 50 Jahre alt, fahre etwa 25 Jahre Motorrad und – obwohl ich nicht behaupten kann, ein absoluter Experte in allen Motorradtypen, -modellen und -ausführungen zu sein – kann ich die gängigen Suchwerkzeuge der modernen Welt nutzen, um die gewünschten Informationen zu den Motorradausführungen und Marktwerten zu bekommen.
Darüber hinaus habe ich Geld, um ein Motorrad zu kaufen. Ich wäre in der Lage Eure Motorräder bar zu zahlen.
Ich bin niemand, der „überlegt, ein Motorrad zu kaufen“. Ich bin niemand, der „nur mal kucken“ will. Ich bin in der Lage, Euer Motorrad zu kaufen. Ihr solltet froh sein, wenn ich mir Eure Mopeds ansehen will.
Lasst mich zunächst eure beschissenen Kleinanzeigen kommentieren. Wenn Ihr schreibt „keine Probefahrt“, „keine nur-mal-so-fahren-wollen“ oder „Probefahrt kostet XXX$ (wobei XXX$ = Eure unglaubliche Preisvorstellung), höre ich sofort auf, mir Eure Anzeige weiter anzusehen.
Warum um alles in der Welt sollte ich viele Tausend Dollar für ein Moped ausgeben, das ich nicht Probefahren kann? Ich sollte Euch abnehmen, dass es auf Higwaytempo seidenweich läuft? Ich glaube nicht. In Gedanken übersetzte ich „keine Probefahrten“ umgehend mit „ich will Dir das Moped nicht verkaufen“.
Wenn Ihr schreibt „keine stieseligen Miesmacher“, heißt das für mich „ich will Dir nicht nur mein Moped nicht verkaufen, ich will noch nicht einmal, dass Du kommst und es Dir ansiehst“. An alle, die so was schreiben: Danke, dass Ihr mir die Entscheidung dadurch etwas einfacher macht, dass Eure Moped gleich aus meinen weiteren Überlegungen rausfliegen.
Zwischen all den Anwärtern auf mein Geld sind viele, deren Preisvorstellung weit jenseits eines angemessenen Marktwertes liegen.
Eure Preisvorstellung liegt im Schnitt 20% über dem maximalen Wiederverkaufswert der Händlerlisten.
Dieser Referenzwert wäre der Wert, den ein HÄNDLER für ein Motorrad zunächst verlangen würde, obwohl der Verkaufspreis am Ende wahrscheinlich niedriger läge. Diese Preise sind höher als die der Privatverkäufer, da vom Händler erwartet wird, dass die Maschine entsprechend aufgearbeitet und alle nötigen Wartungsarbeiten und Sicherheits-Checks durchgeführt wurden.
Ihr seid KEINE Händler. Ich nehme nicht an, dass Ihr alle nötigen Wartungsarbeiten durchgeführt habt und wenn, dann nehme ich nicht an, dass sie korrekt ausgeführt wurden. Ihr solltet nicht den maximalen Wiederverkaufswert verlangen, geschweige denn 20% mehr.
Wenn ich ein Preisangebot mache, dann liegt das zwischen dem maximalen Händler-Wiederverkaufswert und dem Inzahlungnahmepreis, und ist KEIN geiziges rumeierndes Angebot, womit Ihr mich mächtig beleidigt. Das ist ein vernünftiges Angebot, das Euch nur so niedrig vorkommt, weil ihr Phantasiepreise verlangt, die nur von Leuten gezahlt werden, die keine Ahnung vom tatsächlichen Wert haben.
Die Tatsache, dass Ihr behauptet, Ihr hättet einige Wartungsarbeiten durchgeführt (und auflistet, wie viel Ihr dafür bezahlt habt), kurz bevor Ihr die Maschine inseriert habt, bedeutet keine Wertsteigerung. Die Listenpreise unterstellen, dass die Wartungsarbeiten gewissenhaft durchgeführt worden sind.
So...okay...Ihr könnt verlangen, was Ihr wollt und vielleicht findet Ihr ‘nen Dummen, der das auch zahlt, wenn er sich blind in das Moped verschossen hat. Wenn Euer Motorrad so aussieht, als könnte es mir gefallen, bin ich immer noch bereit, es mir anzusehen und in eine Kaufverhandlung einzusteigen.
In diesen Fällen habe ich Euch, wie Ihr wisst, per Email kontaktiert, freundlich mein Interesse bekundet und den Wunsch nach einem Euch passenden Termin übers Wochenende mitgeteilt. Ich habe Euch gleichzeitig gebeten, mir eine Besichtigungsadresse anzugeben, damit ich meine Fahrt dahin planen kann.
Könnt Ihr mir erklären warum Ihr mir nie eine Adresse und einen Termin nennen wollt? Stattdessen wollt Ihr wie ein kleines Mädchen, das Angst vor ‘nem Blinddate hat, mit mir telefonieren. Ihr habt all‘ meine Kontaktdaten in meiner Mail einschließlich meiner Büroangaben, meiner Bürotelefonnummer, meine Emailadresse (natürlich) und die Adresse meiner Homepage. Ihr könntet meine Hintergrunddaten umfassen abklären, damit Ihr eine Vorstellung davon bekommt, ob ich mir Eurer Moped leisten kann.
Aber stattdessen bekommen ich eine Mail zurück mit der Ihr mich auffordert anzurufen, statt mir auch nur eine einzige Frage zu beantworten, die mich dazu brächte, das Moped zu bekucken und zu kaufen. Was zum Beischlaf (*grins*) soll das? Ich will kein "Mail-Ping-Pong" und rufe Euch wie gewünscht an und gerate jedes Mal an Eure Anrufbeantworter. Selbstverständlich hinterlasse ich eine Nachricht, in der ich mich vorstelle und Euch wieder bitte, mir Ort und Zeit per Mail zu nennen, damit ich die Adresse googlen und mir die Wegbeschreibung ausdrucken kann.
Herrgott, ich versuche es pipi-einfach (*hüstel*) zu machen und Ihr macht es mir noch schwerer, Eure Maschinen zu kaufen.
Natürlich ruft Ihr zurück, wenn ich gerade in einer Besprechung sitze und entscheidet Euch, mir eine Sprachnachricht mit folgendem Inhalt zu hinterlassen: 1) jeder Termin am Wochenende wäre okay, 2) die ungefähre Gegend, in der das Moped steht und 3) dass ich Euch zurückrufen soll, um die Adresse zu bekommen.
Wenn ich nach einigen Tagen nicht zurückrufe, zeichnet sich bei Euch so langsam ab, dass ich Euer schwer-zu-erreichen-Spiel nicht mehr mitspiele und Ihr hinterlasst mir die Adresse als Sprachnachricht. Natürlich muss ich mir die Nachricht dreimal anhören, damit ich die Adresse aufschreiben kann, anstatt sie einfach aus einer Mail herauszukopieren und danach zu googlen aber am Ende habe ich sie. HINWEIS: Dieses keine-Adresse-Anrufszenario lief zweimal nahezu identisch ab. Was soll das?
Endlich kommt der Moment, an dem ich die 70 km zur angegeben Adresse fahre. Als ich ankomme und mich dem Motorrad nähere, kann ich nicht umhin, die umfangreichen Beschädigungen an der linken Seite (oder die große Öllache unter dem Moped) zu bemerken, die Ihr in Euren Anzeigen nicht erwähnt habt.
Glaubt Ihr nicht, dass offensichtliche Schäden ein wichtiger Bestandteil der Beschreibung wären? Glaubt Ihr nicht, dass triefendes Öl ein Hinweis darauf sein könnte, dass vielleicht einige Wartungsarbeiten fällig wären?
Und Ihr habt immer noch die Eier, 20% über dem maximalen Wiederverkaufswert für so einen Haufen Scheiße zu verlangen? Wollt Ihr mich verarschen?
Geiziges rumeierndes Angebot?!! Wie wäre es mit dem Angebot, Euch einen ehrgeizigen Tritt in die Eier zu verpassen?
Ihr haltet mich per Email hin, und holt mich zu einer einstündigen Fahrt, um mir ein Motorrad anzukucken, das ihr völlig falsch darstellt? Ihr schleimigen kleinen Schlampen.
Der Winter steht vor der Tür, Eure Kinder brauchen Weihnachtsgeschenke und die Hypothek ist fällig. Wenn Ihr bereit seid, fair zu verhandeln, ich bin auch bereit... inseriert eine faire Anzeige mir einem fairen Preis und wir reden darüber.
Bis dahin genießt Eurer totes Kapital in der Garage."
So, nu dürfte da wohl keiner mehr Probleme mit dem Text haben...
Wer Fehler findet, darf sie behalten...
Gruß
Lucky