Hallo RG4ever,
durch welche Erfahrung machst deine weise Entscheidung fest?
Zitat von RG4ever
Zitat von Mattis
...Ich denke schon darüber nach, den Powercommander wieder auszubauen und in der Bucht anzubieten.
...eine ueberaus weise Entscheidung.
viczena schreibt auf dem Homeserver:
Üblicherweise haben Harley Auspuffanlage nur im rechten Auspuff einen Katalysator, da der Hauptteil der Abgase nur über den rechten Auspuff abgeleitet wird. Der Linke ist praktisch nur ein Dummy, und könnte ersatzlos gestrichen werden. Deshalb habe ich den linken Auspuff abgebaut und den Krümmer zugeschweisst. Ich mag keine Dummys.
Haben alle Touringmodelle einen Dummy oder gibt es auch Modell mit einer 2-1 Anlage (rechts) ab Werk?
Best Grüße
mavericktm
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Antwort viczena:
Harley Nockenwellen VII, Auspuff, Krümmer, Tunen Die Auspuffrage ist vielleicht die am kontroversesten Diskutierte. Noch schlimmer wie die Ölfrage. Die einen meinen, je weniger Dämpfung im Auspuff drin ist, desto bessser. Und wundern sich, warum der Bock von unten her nicht zieht. Die Anderen haben irgendwelche Rezepte, Tipps und Tricks, um den Auspuff lauter UND leistungsfähiger zu machen. Die dritten schwören auf die Anlagen ihrer Lieblingshersteller. Ganz so simpel ist das Thema leider nicht, weshalb auch viele gleichzeitig recht haben können. Und weshalb ich auch keine klare Empfehlung geben kann und werde. Grundlagen Der Harley Motor ist wie eine Luftpumpe, die als Orgel arbeitet. Bei manchen Drehzahlen klingt sie besser (fliesst mehr Luft), bei manchen schlechter. Wenn man tatsächlich durchgängig mehr Leistung will, muss man das ganze schwingende System im Auge haben. Ich habe das Thema schonmal im Zusammenhang mit dem Luftfilter behandelt: Harley EFI (16), Luftfilter, Doherty PowerPacc, Heavy Breather, Klappenstecker Der Auspuff soll die Abgase mit möglichst wenig Widerstand schnell wegtransportieren. Und das auch noch möglichst leise und unauffällig. Die einfachste (und lauteste) Version ist ein einfaches Rohr, das einfach nur ein verlängerter Krümmer ist. Diese Drag Pipes wurden (wie der Name schon sagt), bei Dragster Rennen benutzt. Da wird der Gashahn aufgerissen, 10 Sekunden lang mit Vollgas gefahren und dann wird der Motor wieder abgeschaltet und in der Werkstatt überholt. Diese besondere Anforderung sorgt dafür, das in dieser Sportart simple Vergaser und offene Auspuffanlagen dominieren, denn man braucht ja keinen stabilen Leerlauf oder gleichmässiges Drehmoment von unten heraus. Auf der anderen Seite stehen die dicken Schalldämpfer. Hier werden die Abgase über mehrer Expansionskammern geleitet, in denen sie sich ausbreiten und abkühlen können. Dabei werden sie auch langsamer und damit leiser. Je voluminöser man so eine Anlage bauen kann, desto wirksamer kann sie sein. Dagegen stehen Platz- und Designgründe, denn wer will an seiner Harley schon einen PKW-Endschalldämpfer haben? Aber: An japanischen Supermotorrädern geht das mittlerweile optisch und technisch sehr gut. Diese sind extrem leise, wie man selber feststellen kann, wenn man mal von so einem 200PS Flüstermofa überraschend überholt wurde. Die Entwicklung dieser Anlagen hat in den letzten 30 Jahren massive Fortschritte gemacht. Der original Harley Auspuff ist ein Kompromiss, der in den letzten Jahren immer mehr zugunsten der Emmisionen und zum Nachteil der Leistung verschoben wurde. Was auch der Grund ist, warum jede auch noch so kleine "offenlegung" des Auspuffs in Relation so dermassen viel Zusatzleistung bringt. Da können schonmal 10PS und mehr rausspringen. Bei den optimierten Auspuffanlagen der oben erwähnten Supermotos hätten diese "Tuningmassnahmen" eher gegenteilige Wirkung. Was muss man also bei einem modifizierten Harley Auspuff beachten? Der Rückstau Es geht dabei eigentlich darum zu verhindern, dass der Motor zu schnell frische Luft wieder durch den Auspuff EINSAUGEN kann. Natürlich müssen die Abgase möglichst schnell und ungehindert weg. Aber da sich Einlass-und Auslass bei leistungsfähigen Nockenwellen überschneiden, entsteht auch ein Unterdruck im Auspuff. Wenn da kein Widerstand ist, wird nicht etwa frisches Gemisch vom Manifold eingesaugt, sondern zu viel sauerstoffarme Plörre aus dem Auspuff. Das ist der sogenannte EGR (Exhaust Gas Recirculation) Effekt, der bei praktisch jedem Ottomotor mehr oder weniger stark vorkommt. Dadurch kann das Drehmoment besonders bei niedrigen Drehzahlen rapide sinken. Das will niemand. Dieser Effekt steigert sich mit sinkenden Drehzahlen. Ein offener Auspuff hat deutlich weniger nutzbares Drehmoment im unteren und mitleren Drehzahlband. Das kann bis zur praktischen Unfahrbarkeit dieses Gefährtes gehen. Ab 4000rpm dagegen glaubt man, der Brüllaffe zieht die Maschine. Zuviel Rückstau hindert das Abgas daran, schnell genug wegzukommen. Dafür ist der Auspuff leise. Zu wenig Rückstau ist zwar schön laut, aber es fliesst zuviel Frischluft zurück. Und das Drehmoment im unteren und mittleren Drehmomentbereich sinkt. Näheres über die Ursachen des EGR Effektes findet sich unter dem Begriff Overlap in meinem Nockenwellenartikel: Harley Nockenwellen II, Vergleich, Auswahl, SE-255 Das Interferenzrohr Ein Interferenzrohr verbindet den Krümmer des vorderen Zylinders mit dem des hinteren. Diese Interferenzrohre können hässlich und plump ausfallen, aber auch unauffällig und "getarnt" ihren Dienst tun. Hier ein Paar Beispiele: Harley-Davidson motorcycles made since 1970.
Dieser Beitrag wurde schon 3 mal editiert, zum letzten mal von mavericktm am 04.10.2011 12:04.