In Europa ging die Geschichte irgendwie ähnlich:
1913 hat der deutsche Kaiser notgedrungen die Beschaffung von Indians

für die Reichswehr genehmigt (da ahnte noch niemand was von WKI, es herrschte seit 1907 die Weltwirtschaftskrise nach der ersten Globalisierung mit Stellvertreterkriegen, irgendwie analog zu heute) weil analog zu Japan das einheimische Angebot in den Augen der Militärs erbärmlich schien. Im ersten Weltkrieg wurden die V2's dann notgedrungen von der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik Wanderer an die Reichswehr irgendwie abgekupfert nachgeliefert , die auch bis zum Ausbruch von WKII als einziger (bis 33 deutscher) Hersteller beim großvolumigen V2 blieb, der auch in Europa nur ein Spielzeug für Reiche war. Der Wanderer-V2 sah allerdings schon in den 20ern wie ein Sportstermotor aus, weil Wanderer die Harleyidee von 57, einem Flathead (hier angelehnt an Indian) einen OHV-Zylinderkopf überzustülpen , schon in den 20ern von den englischen V2-Herstellern Zenith, JAP, British Anzani abgekupfert hatte. Erfolgreicher war Indian, die in dieser Zeit die Scout mit deutlich erschwinglicherem 600 ccm V2 und neben ( der noch viel teureren) BMW mit einzigem vollverkapselten Motor sozusagen als "Honda" der Zwischenkriegszeit (damit meine ich analog wie nach dem WKII "Honda so gut wie BMW, nur mit Kette und viel billiger") in Deutschland verkauften. Das bewog Siemens, in Kooperation mit einem Konfektionär eine metrische grüne Scout-Raubkopie als "Mabeco" im heutigen Berliner BMW-Werk

herzustellen und erfolgreich zu vermarkten. Die deutschen Soldaten hatten ja im ersten Weltkrieg ihre robusten Indians schätzen gelernt.
Leider meinte Wanderer dann, es BMW nachtun zu müssen und nahm Autos zusätzlich ins Programm auf.
Das brach ihnen in der Weltwirtschaftkrise ab 29 das Genick. Da sie, wie alle sächsischen Autohersteller, bei der Sächsischen Landesbank (über)schuldet waren, wurden sie mit DKW, Audi und Horch 1932 zwangsfusioniert als Mehrmarkenkonzern "mit Synergieeffekten" ( ja, alles schon mal da gewesen

) nach dem Vorbild GM zur "Auto- U N I O N "mit den bekannten 4 Ringen (für jede Marke einen). Und weil DKW mit seinen Zwodaggdern der größte und erfolgreichste Massenhersteller der Welt für Motorräder war, wurden die Luxus-V2's als "unpassend zur Produktpalette" ausgegliedert und an die tschechische Firma Janacek verscherbelt, die diese dann unter dem Label "Janacek-Wanderer" vermarktete. Der deutsch-tschechische, wenig attraktive Zungenbrecher wurde von den tschechischen Marketingfritzen alsbald zu "Jawa" abgekürzt.
Nachdem unsere "Befreier" in Jalta skrupellos ganz Osteuropa den nächsten Diktatoren in den Rachen geworfen hatten (anscheinend brauchten die die Befreiung und die Demokratie dann doch nicht so dringend) durfte Jawa nur noch kleine Brötchen in Gestalt von Zweitaktmotorrädern, immerhin mit bis zu 2 Zylindern, backen. Die Tschechischen Kommunisten waren immerhin im Unterschied zu den stumpfsinnigen Ostzonalen Fundamentalisten Klever genug, die fundamentale Bedeutung von etablierten Markennamen zur Generierung von Westdevisen zu erkennen, und so durften Tatra und Jawa ihre Markennamen und in etwa ihr Design, Tatra sogar seine luftgekühlten V8, beibehalten, während DKW zu MZ, Wartburg und Trabi verkam, die drei Viertaktmarken wurden gleich ganz dichtgemacht.
Nur der große kontinentaleuropäische Motorrad-V2 war, wie in Japan, ausgestorben. In Britannien hielt sich Vincent noch bis 54, dann war auch dort Schluss. Diese hubraumstarken Luxusmotoren waren für Nachkriegseuropäer für Jahrzehnte einfach zu teuer geworden, zumal das Weltfinanzsystem von Bretton Woods 1944 für die zu erwartende arme Nachkriegszeit als Wiederaufbauhilfe bis Anfang der 70er den Wechselkurs von z.B. $/DM auf 1:4 festgelegt hatte, für die anderen europäischen Währungen und den Yen analog extrem, was Indian mit seinem starken deutschen Vorkriegsgeschäft mit Händlern in jeder deutschen Grosstadt als eine von mehreren Ursachen das Genick brach und Harley in Europa schwer traf, wo sie bis in die 70er (auf dem Kontinent) als unerschwinglich vom Markt verschwanden. Und so schließt sich der Kreis. Trotz Produktion in Japan war analog zu Jawa in der Tchechoslowakei oder den britischen V2´s in Britannien die Bevölkerung auf breiter Linie bis in höchste Kreise so verarmt (Lohnspreizung von Arbeiter zu Geschäftsführer vor WKII durchschnittlich 1:70 wie heute

nach WKII bis in die 80er 1:12), dass sich keiner mehr die großen V2's leisten konnte und diese von billigen mittelgroßen Reihenzweizylindern aus Britannien und dann in den 60ern von Kopien aus Japan mit kostensparenden, für beide Zylinder gemeinsamen Zylinderköpfen und Nockenwellen verdrängt wurden. BMW hielt sich bis Ende der 60er vor allem mit seinen kleinen Einzylindern und Behördenaufträgen über Wasser.
Erst seit 1990 ist die Lohnspreizung wieder so groß geworden , dass es genug zahlungskräftige Klientel für Harley, Indian und Co. gibt

Dieser Beitrag wurde schon 6 mal editiert, zum letzten mal von niterider am 17.12.2016 17:41.