Damit der Thread nicht so "unvollendet" wirkt: Der Primärantrieb ist wieder dran und mit Öl gefüllt. Das Moped wartet frisch geputzt auf trockenes Wetter. 😁
"Philosophische" Schlussbetrachtung eines Selbstschraubers:
Den kompletten Primärkasten habe ich in den letzten Jahren viermal demontiert. Zunächst war die Schaltwellendichtung inkontinent (1. Demontage). Dann kam der große Dichtring hinter dem Abtriebspulley (2. Demontage), bei dessen Erneuerung ich vorsorglich auch beide Dichtringe im inneren Primärgehäuse getauscht habe. Die Demontagen Nr.3 und Nr.4 resultierten aus zwei Fehlern bei Demontage Nr.2: Abtriebspulley lose wegen falscher Drehomentangabe im deutschen Handbuch und Dichtring inkontinent wegen verdrehter Montage auf Basis Übersetzungsfehler im deutschen Handbuch. Ich will dabei nicht ausschließen, dass ich bei kritischerer Betrachtung die Fehler im Handbuch hätte erkennen können.
Wenn ich die mit diesen Aktionen verbundenen Arbeitsstunden als geliebte Hobbyarbeit verbuche, bleiben die Investitionen für Werkzeuge und der Materialeinsatz für Ersatzteile, der in ähnlicher Höhe bei einer Beauftragung der Arbeiten beim Freundlichen auch angefallen wären. Zum Werkzeuginvest gehören die brutto € 130,- für das in diesem Thread beschriebene Spezialwerkzeug und etwa €150,- für einen guten Carolus-Drehmomentschlüssel nebst großer Nuss (für die "Sprocker Nut"). Mit noch diversem Kleinkram habe ich für Werkzeuge und Hilfsmittel, die speziell für Arbeiten am Primärantrieb angeschafft wurden, bestimmt € 350,- investiert.
Was hätte der Profi gemacht? Na ja: Zunächst mal keine Fehler! Fehler im Handbuch erzeugen beim Profischrauber sicher nur ein müdes Achselzucken. Es hätte kein loses Pulley und keinen verdreht eingebauten Dichtring gegeben. Er hätte für den Tausch des ersten sabbernden Dichtrings zwar €400,- für Arbeitszeit verrechnet (inkl. Werkzeugumlage), dabei aber alle anderen Dichtringe mit ausgetauscht. Der Primärantrieb hätte bis heute also keine vier sondern nur eine Demontage gesehen.
Die Moral von der Geschicht‘: Beim Selbermachen sind die erzielten Einsparungen zuweilen kleiner als zunächst erwartet.
Mir kommt es primär auf den Spaß am Schrauben und am Technikverstehen an. Meine bürotätige Wenigkeit hat Sympathie für den Titel des recht bekannten Buches von Matthew B. Crawford: "Ich schraube, also bin ich: Vom Glück, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen" 😁
Gruß
Karl
Ich irre mich nie. Nur wenn ich glaube mich zu irren, irre ich mich
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Gruß
Karl
Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von Karl H. am 01.05.2015 15:03.