Meiner Meinung nach ist es ein Managementversagen, das, wie ich hier öfter schon geschrieben habe, in der Tat schon mit Levatich anfing:
Die USA pfeifen auf dem letzten Loch.
Das fühlt und weiß jeder Ami. Daher sind viele Serien in Amazon Prime oder Netflix, ich nenne hier stellvertretend nur eine der erfolgreichsten,
„Stranger Things“ deswegen bei breiten Massen so erfolgreich, weil sie „in der guten alten Zeit“ spielen, sprich „Nostalgie als Schmiermittel“ einsetzen.
Dieses Rücksehnen breiter Massen „in die gute alte Zeit“ könnte die perfekte Vorlage für Harley Davidson sein, wenn, ja wenn sie nur an der richtigen Stelle ihrer Produktpalette investiert hätten. Da der Mittelstand der USA auf breiter Front durch die Globalisierung abgestiegen ist, hätten sie mit behutsam modernisierter Dyna und Sportster ein perfektes, weil erreichbares Produkt für die Identifizierung mit der guten alten Zeit anbieten können.
Auf der hochpreisigen Seite, auf die
Zeitz im kollektiven Wahn mit anderen KFZ-Herstellern gesetzt hat, ist allein die Größe der Zielgruppe durch die Globalisierung viel zu sehr zusammengeschrumpft. Ein Mittelstandsangehöriger kann sich einen neuen HD-Tourer nicht mehr leisten. Das stellen zur Zeit auch Mercedes, Audi, Porsche und sogar Ferrari schmerzhaft fest.
Einen wassergekühlten Hightech Motor von heute wie den RH als Identifikationsobjekt mit der guten alten Zeit durch Badge Engineering mit dem Sportster-Label verkaufen zu wollen, muß halt schiefgehen, obwohl dieser Motor, wie ich hier auch schon öfter geschrieben habe, nach wie vor die technische Spitze im V2-Motorenbau darstellt. Direkte Konkurrenten wie Ducati rüsten dagegen ab, wie der neue 890er V2 ohne Desmodromik zeigt, der nach und nach alle 921er V2 mit Desmodromik ersetzt, und das mit rund 30 PS weniger. Ducati mit seiner ebenso treu ergebenen Fan-Gemeinde hat eben verstanden, daß sie ihre Produkte preismäßig an den sozialen Abstieg ihrer Fan-Gemeinde anpassen müssen. Bestes Beispiel ist die Scrambler-Baureihe mit dem Pantah-Motor von 1978, der erstaunlicherweise trotz Luftkühlung und Zweiventiltechnik mit erheblich höherer Literleistung (was die Emissionsproblematik verschärft) als sein Harley-Pendant, der XL-Motor, die €5+ geschafft hat. Und die Scrambler für Europa wird identifikationsstiftend mit der guten alten Zeit in Bologna produziert, die für Asien und den Rest der Welt in Thailand.
Ducati lebt mittlerweile von der Scrambler als perfektem Aushängeschild für die gute alte Zeit, und das als identitätsstiftende „richtige Ducati“ und nicht als „HD-Sprint“ in Gestalt eines indischen „Hero“-Klons, und mit dem neuen abgerüsteten 890er wollen sie sich erkennbar ein zweites Standbein auf dem mittlerweile abgesunkenen finanziellen Level des weit überwiegenden Teils ihrer Zielgruppe schaffen. Auf der anderen Seite haben sie mit dem V4 mit und ohne Desmodromik auch ein Angebot für die wenigen vermögenden Aufsteiger geschaffen. Was sie eben von HD unterscheidet, ist, daß sie nicht den Fehler gemacht haben, sich völlig einseitig im „Premium -Wahn“ auf diese arg begrenzte Zielgruppe fokussiert zu haben. HD hat sich hingegen aus dem Mittelklassebereich des Segments „Modern Classic“ praktisch ersatzlos zurückgezogen, ein Segment, daß sie mit der Sportster eigentlich begründet hatten.
SO wie bei Ducati geht gute Produktpolitik in den heutigen Zeiten. Ein Portfolio sollte immer breit gestreut sein. Levatich und Zeitz haben dagegen mit RH und dem Premium-Wahn aufs falsche Pferd gesetzt, von den in homöopathischen Dosen verkauften Lifewires ganz zu schweigen.
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„I don‘t like valves that look like golf tees. Intake valves should be the size of trash can lids, and pistons should be the size of manhole covers“ (Jay Leno)
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